
Der eine ist diplomierter Designer, der andere hat schon früh angefangen, seiner Kreativität bildnerisch Ausdruck zu verleihen. Aus Halle und Hildesheim stammend bilden die Wahlberliner Michael Wabbel und Sebastian Oppermann zusammen das Team hinter dem Label ODP Project. Was vor 10 Jahren als hochwertiges Streetwear-Label begann, ist mittlerweile zu einem interdisziplinären Designkosmos gewachsen. Neben den überwiegend an Männern als Zielgruppe orientierten Kollektionen gibt es seit etwa einem Jahr auch ein Projekt, welches sofort mein Interesse geweckt hat und immer mehr Fans für sich gewinnt – das Instant T-Shirt.
Eine durchsichtige Plastikverpackung schützt das aus ökologischer Baumwolle hergestellte Gut inklusive patentierter Farbvorrichtung in den Nuancen Blau, Orange, Rotbraun und Grün. Der industrielle Touch ist pure Absicht, sehen Wabbel und Oppermann sich mehr als Gestalter von Bekleidung denn als abgehobene Modeschöpfer. Sie setzen auf „ehrliche Kunst“, d.h. Funktionalität, Komfort und Qualität.
Mit der Absicht, jedes Teil zum Lieblingsteil werden zu lassen, ist jedes
Shirt mit Farbpigmenten versehen (selbstverständlich Öko-Tex zertifiziert und von den Chefs eigenhändig eingetütet). Zusammen mit Wasser lässt sich in der Verpackung ein Färbebad erzeugen, in welchem das Shirt schwimmt. Batik hat eigentlich kein gutes Image, auch nicht unter Designern, ODP haben es geschafft, den Färbevorgang durch einen Kunstgriff zu entkitschen und die zufällige Färbung als künstlerische Interaktion zu veredeln.
Über die Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten klärt auf der Homepage von ODP ein Video auf. Der Kunde wird also nicht allein gelassen, außer wenn er es möchte
ODP setzen auf die Experimentierfreude des zukünftigen Trägers und dessen Wunsch, in den Schöpfungsprozess einbezogen zu werden. Eine Tendenz, wie es sie seit etwa 10 Jahren in der Modeindustrie zu beobachten gibt und unter dem Stichwort Customizing läuft. Der Käufer möchte mehr, als nur zur Kasse gebeten werden. Er will Mitspracherecht. Der Welt seinen Stempel aufzudrücken in Form von Modestatements scheint ein wirkungsvolles Mittel dafür zu sein. Es gibt auch schon Mehrfachtäter unter den Stammkunden. ODP erhalten regelmäßig Post von den neuen Kreationen, so dass sie schon an eine Dokumentation in Form einer Bibliothek denken.
Die Sehnsucht nach dem uniquen Lieblingsstück scheint symptomatisch für diese Epoche. In dieser Zeit, die definiert wird durch Austauschbarkeit, bewegt sich die Generation zwischen Analog und Digital zielsicher ins Ungewisse. Aber gerade in der Mode sieht man eine Gegenbewegung, sowohl auf Konsumenten- als auch auf Produzentenseite. Dazu hat Michael eine interessante Theorie entwickelt „Die schnellen Kollektionswechsel der Industrie erzeugen eine Spannungslosigkeit, die mit Inhalt gefüllt werden muss, damit der Kunde bei der Stange bleibt.“ ODP entziehen sich konsequent diesem Trend. Und setzen eher auf azyklische Kollektionen, die es ihnen erlauben, Herr ihrer Ideen zu bleiben.
Dementsprechend konzentriert ist auch die neue Kollektion ausgefallen. Oppermann fasst es zusammen unter dem „Wunsch, die innere Ruhe nach außen zu tragen“. Neben sportlichen Details finden sich an den Hoodies, Jacken und Hosen auch gestalterische Zitate altertümlicher Ritterrüstungen, die durch mehrere Kreativprozesse Alltagstauglichkeit erlangt haben und nun eine neue Generation von Großstadtkriegern kleiden wird.

Wer mehr von ODP sehen möchte : onitdemon.de
